Selbstkonzept versus Selbst, Wirklichkeitskonzept versus Wirklichkeit


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Posted by Alban on June 15, 2004 at 02:02:32:

In Reply to: Re: Wirklichkeit posted by edg on June 14, 2004 at 20:32:03:

Hallo,

danke, ja, ohne Argumentation braucht es auch nicht zu gehen. Ich meinte nicht, dass Argumentation nicht benutzt wird im Kurs, aber letztlich kann sie nur Mittel sein, um still zu werden, denn ich suche in ALL meinem Tun immer nach einer Erfahrung. Um diese zu gewinnen, tue ich, was ich tue. Wenn meine Erfahrung aber nicht die ist, die mich wirkich zufrieden stellt, dann muss ich wohl mein Ziel ändern. Um das Unbegreifliche zu erfahren, werde ich alle meine Konzepte loslassen müssen. Wer will das wirklich tun? Alle Konzepte über mich selbst, meine ganze Identität loslassen? Dann könnte das Unbegreifliche zu mir in Seiner Sprache sprechen. Aber dann ist es mir nicht mehr unbegreiflich, sondern zu einer Erfahrung geworden, die mich erhebt über alles Begreifen wollen. Die Identität von Unbegreiflichem und Wirklichkeit kann ich nicht gelten lassen, denn dies wäre nur für mich als nicht erkennendes Subjekt möglich. Doch was wäre das? Wer hätte verfügt, dass ich nicht erkenne, hätte Gott sich vor mir verborgen?

Der Beitrag von Wolfgang Struve scheint von einer Idee einer (geistigen?) Wirklichkeit diese Welt der Illusion zu betrachten und zu folgern, dass sie doch wirklich sei wegen ihrer Unwirklichkeit, weil die Welt nicht mit ihr in Beziehung stünde und daher ins Unbegreifliche rücken würde. Ich kann die Idee, dass eine letzte Instanz, eine allumfassende Wirklichkeit Unbegreifliches kennen würde, nicht als vernünftig gelten lassen. Darin ist ein Selbstwiderspruch enthalten.

Mir fiel der Abschnitt aus dem Kurs, "Selbstkonzept versus Selbst" ein, und ich möchte ihn hier zitieren, weil er ein so wunderbares Beispeil einer fundamentalen Kritik darstellt, die an MIR ansetzt.

Viel Spaß.
Alban

"Selbstkonzept und SELBST
1. Das Lernen der Welt baut auf ein Konzept des Selbst auf, das angepasst ist an die Wirklichkeit der Welt. Es passt gut zu ihr. Denn es ist ein Bild, welches sich für eine Welt der Schatten und der Illusionen eignet. Hier ist es zu Hause, wo das mit ihm eins ist, was es sieht. Der Aufbau von einem Konzept des Selbst ist es, wozu das Lernen der Welt dient. Das ist sein Sinn und Zweck: dass du ohne Selbst kommst und nach und nach eins machst. Und wenn du die Reife erreicht hast, hast du es vervollkommnet, um der Welt von gleich zu gleich zu begegnen, mit ihren Forderungen eins.
2. Ein Konzept des Selbst wird von dir gemacht. Es hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit dir. Es ist ein Götze, der dazu gemacht ist, den Platz deiner Wirklichkeit als SOHN GOTTES einzunehmen. Das Konzept des Selbst, das die Welt lehrt, ist nicht das Ding, das es zu sein scheint. Denn es ist gemacht, um zwei Zielen zu dienen, wovon der Geist jedoch nur eins wahrnehmen kann. Das erste bietet das Gesicht der Unschuld dar, jenen Aspekt, auf welchen eingewirkt wird. Es ist dieses Gesicht, das lächelt und bezaubert und sogar zu lieben scheint. Es sucht nach Gefährten, und es schaut - zuweilen mitleidsvoll - auf die Leidenden und bietet manchmal Trost an. Es glaubt, gut zu sein in einer bösen Welt.
3. Dieser Aspekt kann ärgerlich werden, denn die Welt ist niederträchtig und unfähig, die Liebe und den Schutz bereitzustellen, den die Unschuld verdient. Und so ist dies Gesicht oft tränennass angesichts der Ungerechtigkeiten, die die Welt jenen zumisst, die großzügig und gut sein möchten. Dieser Aspekt greift nie als Erster an. Doch jeden Tag verüben hundert Kleinigkeiten einen kleinen Anschlag gegen seine Unschuld und fordern ihn zu Reizbarkeit und schließlich zu offener Beschimpfung und Beleidigung heraus.
4. Das Gesicht der Unschuld, das das Konzept des Selbst so stolz zur Schau trägt, kann Angriff zur Selbstverteidigung tolerieren, denn ist es nicht ein wohlbekannter Fakt, dass die Welt wehrloser Unschuld hart mitspielt? Niemand, der ein Bild von sich macht, lässt dieses Gesicht weg, denn er hat es nötig. Die andere Seite möchte er nicht sehen. Doch diese wird vom Lernen der Welt angepeilt, denn hier ist die »Wirklichkeit« der Welt festgesetzt, um dafür zu sorgen, dass der Götze von Dauer ist.
5. Unter dem Gesicht der Unschuld ist eine Lektion, die zu lehren das Konzept des Selbst gemacht ward. Es ist eine Lektion in einer schrecklichen Verschiebung und von einer derart vernichtenden Angst, dass das Gesicht, welches über ihr lächelt, ewig wegblicken muss, damit es den Verrat nicht wahrnimmt, welchen es verbirgt. Die Lektion lehrt dies: Ich bin das Ding, das du aus mir gemacht hast, und während du mich ansiehst, bist du - um dessentwillen, was ich bin - verurteilt. Dieser Auffassung des Selbst lächelt die Welt zustimmend zu, verbürgt sie doch, dass die Weltenpfade sicher erhalten bleiben und diejenigen, die auf ihnen wandeln, nicht entrinnen werden.
6. Hier ist die zentrale Lektion, die sicherstellt, dass dein Bruder ewiglich verurteilt ist. Denn was du bist, das wurde nun zu seiner Sünde. Vergebung dafür ist nicht möglich. Und was er tut, spielt keine Rolle mehr, denn dein anklagender Finger zeigt, in seinem Ziel unerschütterlich und tödlich, auf ihn hin. Der Finger zeigt zugleich auf dich, doch das wird in den Nebeln unter dem Gesicht der Unschuld noch tiefer versteckt. Und in diesen leichenhaft verhüllten Gruften werden alle seine Sünden und die deinen in der Finsternis erhalten und bewahrt, wo sie nicht als Irrtümer wahrgenommen werden können, was das Licht sicherlich zeigen würde. Weder kann dir für das, was du bist, die Schuld zugewiesen werden, noch kannst du die Dinge ändern, die es dich tun lässt. So ist dein Bruder dir Symbol für deine Sünden, der du zwar stumm, doch mit unablässiger Dringlichkeit deinen Bruder weiterhin für das verhasste Ding verurteilst, das du bist.
7. Konzepte werden gelernt. Sie sind nicht natürlich. Sie existieren nicht vom Lernen unabhängig. Sie sind nicht gegeben, also müssen sie gemacht sein. Kein einziges davon ist wahr, und viele kommen von Fieberphantasien, glühend vor Hass und vor Verzerrungen, die aus der Angst geboren sind. Was sonst ist ein Konzept als ein Gedanke, dem sein Macher seine eigene Bedeutung gibt? Konzepte erhalten die Welt aufrecht. Sie können jedoch nicht verwendet werden, um aufzuzeigen, dass die Welt wirklich ist. Denn sie alle werden in der Welt gemacht, werden in ihrem Schatten geboren, wachsen heran nach ihrer Weise und reifen schließlich in ihrem Gedanken. Sie sind Ideen von Götzen, mit den Pinseln dieser Welt gemalt, die kein einziges Bild machen können, das die Wahrheit darstellt.
8. Ein Konzept des Selbst ist bedeutungslos, denn niemand hier kann sehen, wozu es dient, und sich daher auch kein Bild davon machen, was es ist. Dennoch wird alles Lernen, wozu die Welt anweist, zum einzigen Zweck begonnen und beendet, dich dieses Konzept deiner selbst zu lehren, damit du die Wahl treffen wirst, den Gesetzen dieser Welt zu folgen, und niemals über ihre Wege hinauszugehen suchst noch merkst, auf welche Weise du dich siehst. Nun muss der HEILIGE GEIST einen Weg finden, um dir sehen zu helfen, dass dieses Konzept des Selbst aufgehoben werden muss, wenn Geistesfrieden dir gegeben werden soll. Auch kann es nicht verlernt werden, außer durch Lektionen, die darauf abzielen, dich zu lehren, dass du etwas anderes bist. Denn sonst würdest du gebeten, das, was du jetzt glaubst, gegen den totalen Selbstverlust zu tauschen, und ein noch größerer Schrecken würde aufkommen in dir.
9. Also sind die Lektionspläne des HEILIGEN GEISTES in leichten Schritten angeordnet, damit - obgleich zuweilen Mangel an Behagen und einige Bedrängnis herrschen mag - das Gelernte nicht zerschlagen wird, sondern das, was der Beweis zu seinen Gunsten zu sein scheint, einfach neu übersetzt wird. So lass uns denn erwägen, welchen Beweis es dafür gibt, dass du bist, was dein Bruder aus dir machte. Denn wenn du auch noch nicht wahrnimmst, dass du genau dies denkst, so hast du sicher inzwischen gelernt, dass du dich so verhältst, als sei es so. Reagiert er denn für dich? Und weiß er ganz genau, was geschehen würde? Kann er deine Zukunft sehen und, bevor sie kommt, anordnen, was du in jeder Lage tun sollst? Er muss die Welt gemacht haben ebenso wie du, um ein solches Vorauswissen künftiger Geschehnisse zu haben.
10. Dass du bist, was dein Bruder aus dir machte, erscheint höchst unwahrscheinlich. Und hätte er es auch getan, wer gab dir das Gesicht der Unschuld? Ist dies dein Beitrag? Und wer ist dann das »Du«, das es gemacht hat? Und wer wird getäuscht von all deiner Güte und greift sie derart an? Lass uns die Torheit des Konzepts vergessen und nur an dieses denken: Zwei Teile gibt es in dem, was du selbst zu sein glaubst. Wäre der eine erzeugt von deinem Bruder, wer war dann da, den anderen zu machen? Und vor wem muss etwas verborgen bleiben? Wenn die Welt böse wäre, bestünde immer noch keine Notwendigkeit, das zu verstecken, woraus du gemacht bist. Wer ist da, um zu sehen? Und was außer dem, was angegriffen wird, könnte Abwehr nötig haben?
11. Womöglich ist der Grund, weswegen dies Konzept im Dunkel gehalten werden muss, der, dass du bei Licht derjenige wärst, der es nicht für wahr halten würde. Und was würde mit der Welt geschehen, die du siehst, wenn ihr gesamter Unterbau beseitigt würde? Dein Konzept von der Welt hängt von diesem Konzept des Selbst ab. Und beide würden sie vergehen, wenn eines davon je in Zweifel gezogen würde. Der HEILIGE GEIST sucht nicht, dich in Panik zu versetzen. So fragt ER bloß, ob nur eine kleine Frage aufgeworfen werden dürfe.
12. Es gibt noch andere Alternativen hinsichtlich jenes Dinges, das du sein musst. Du könntest beispielsweise das Ding sein, das dein Bruder deiner Wahl zufolge sein soll. Das verschiebt das Konzept des Selbst von dem, was gänzlich passiv ist, und schafft zumindest Raum für die aktive Wahl und eine gewisse Anerkennung, dass eine Wechselwirkung stattgefunden haben muss. Da ist einiges Verständnis, dass du für euch beide wähltest und das, was er darstellt, die Bedeutung hat, die ihm von dir verliehen wurde. Es zeigt auch einen Schimmer der Einsicht in das Gesetz der Wahrnehmung, dass, was du siehst, den Geisteszustand des Wahrnehmenden spiegelt. Wer aber hat zuerst gewählt? Wenn du das bist, was du wähltest, dass es dein Bruder sei, dann gab es Wahlalternativen, und jemand muss zuerst entschieden haben, eine davon zu wählen und die andere loszulassen.
13. Wenn dieser Schritt auch Gewinne zeitigt, so nähert er sich doch noch nicht einer grundlegenden Frage an. Etwas muss diesen Konzepten des Selbst vorausgegangen sein. Und etwas muss das Lernen, das sie entstehen ließ, vollzogen haben. Das lässt sich weder aus der einen noch der anderen Sicht erklären. Der Hauptvorteil des Wechsels zu der zweiten von der ersten ist der, dass du dich irgendwie auf Grund deiner Entscheidung in die Wahl begabst. Doch wird dieser Gewinn mit fast dem gleichen Verlust bezahlt, denn jetzt bist du als dessen schuldig angeklagt, was dein Bruder ist. Und du musst seine Schuld mit ihm teilen, weil du diese, nach dem Bilde deiner eigenen, für ihn gewählt hast. Während er zuvor alleine der Verräter war, musst du jetzt zugleich mit ihm verurteilt werden.
14. Das Konzept des Selbst hat die Welt seit jeher sehr beschäftigt. Und jeder glaubt, er müsse die Antwort auf das Rätsel finden, das er selber ist. Die Erlösung kann als nichts weiter als das Entrinnen aus Konzepten angesehen werden. Sie kümmert sich nicht um den Inhalt des Geistes, sondern um die einfache Aussage, dass er denkt. Und das, was denken kann, das hat die Wahl und kann gezeigt bekommen, dass verschiedene Gedanken verschiedene Folgen haben. Somit kann er lernen, dass alles, was er denkt, die tiefe Verwirrung spiegelt, die er hinsichtlich dessen fühlt, wie er gemacht ward und was er ist. Und vage scheint es, als gebe das Konzept des Selbst eine Antwort auf das, was es nicht erkennt.
15. Suche dein SELBST nicht in Symbolen. Es kann kein Konzept geben, das für das stehen könnte, was du bist. Welche Rolle spielt es, welches Konzept du akzeptierst, solange du ein Selbst wahrnimmst, das mit dem Bösen interagiert und auf niederträchtige Dinge reagiert? Das Konzept deiner selbst wird weiterhin ganz bedeutungslos bleiben. Und du wirst nicht wahrnehmen, dass du nur mit dir interagieren kannst. Eine schuldige Welt zu sehen ist nur das Zeichen dafür, dass dein Lernen von der Welt gelenkt war, und du erblickst sie so, wie du dich selbst siehst. Das Konzept des Selbst umfasst alles, auf das du schaust, und nichts ist außerhalb dieser Wahrnehmung. Wenn du durch irgend etwas verletzt werden kannst, siehst du ein Bild deiner geheimen Wünsche. Nichts weiter als das. Und in deinem Leiden jeglicher Art siehst du dein eigenes verborgenes Verlangen, zu töten.
16. Du wirst im Laufe deines Lernens viele Konzepte des Selbst machen. Ein jedes wird die Veränderungen in deinen eigenen Beziehungen zeigen, während deine Wahrnehmung deiner selbst verändert wird. Jedes Mal, wenn ein Wechsel eintritt, wird einige Verwirrung herrschen, doch sei du dankbar, dass das Lernen dieser Welt den Griff, in dem es deinen Geist hält, lockert. Und sei gewiss und glücklich in der Zuversicht, dass es zu guter Letzt vergehen und deinen Geist in Frieden lassen wird. Die Rolle des Anklägers wird an vielen Orten und in vielen Formen erscheinen. Und jede wird dich anzuklagen scheinen. Doch fürchte nicht, dass sie nicht aufgehoben werden wird.
17. Die Welt kann keine Bilder von dir lehren, es sei denn, du willst sie lernen. Eine Zeit wird kommen, wenn Bilder allesamt vergangen sind und du sehen wirst, dass du nicht weißt, was du bist. In ebendiesen entsiegelten und offenen Geist kehrt die Wahrheit unbehindert und ungebunden zurück. Wo Konzepte des Selbst abgelegt sind, wird die Wahrheit ganz genauso offenbart, wie sie ist. Wenn jedes Konzept in Zweifel gezogen und in Frage gestellt und klargeworden ist, dass es aufgrund von Annahmen gemacht ist, die dem Lichte nicht standhalten würden, dann wird die Wahrheit freigelassen, in ihr Heiligtum zu treten - rein und frei von Schuld. Es gibt keine Aussage, die die Welt mehr zu hören fürchtet, als diese:

Ich weiß nicht, welch ein Ding ich bin, und deshalb erkenne ich
nicht, was ich tue, wo ich bin oder wie ich auf die Welt oder auf
mich schauen soll.

Doch in diesem Lernen wird die Erlösung geboren. Und WAS du bist, wird dir von SICH berichten."





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