Posted by gil on June 17, 2004 at 18:54:34:
Dieter Henrich bei den Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit / Förderpreis für Martin Mulsow
Am Dienstag, 15. Juni 2004, 16.00 Uhr, findet in der Aula der Universität die diesjährige Festveranstaltung der Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit mit dem Münchener Philosophen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Henrich statt. Den erstmals verliehenen Jaspers-Förderpreis der Stiftung der Oldenburgischen Landesbank (OLB) erhält der Münchener Philosoph und Ideenhistoriker Dr. Martin Mulsow. Am 16. Juni diskutiert Henrich mit Repräsentanten der Wirtschaft in der OLB, am 17. Juni mit Oldenburger Gymnasiasten im Alten Gymnasium.
In Kants 200. Todesjahr 2004 erscheint die vorläufige Vollendung von Henrichs Lebenswerk mit der zweibändigen Ausgabe der „Grundlegung aus dem Ich“. Henrich erhielt 1995 den Hölderlin-Preis, 2003 den angesehenen Hegelpreis der Stadt Stuttgart und 2004 den Internationalen Kant-Preis. Diese Auszeichnungen markieren das Lebenswerk von Dieter Henrich, der von Kant zu Hegel über Fichte, Hölderlin und Schelling die deutsche idealistische Denktradition weiter entwickelt und ihre Gedanken weithin transparent gemacht hat, um „sich über die letzten Gründe philosophischen Wissens zusammen mit den letzten Gründen zu vergewissern, aus denen das Leben der Menschen in einem Einklang mit sich selbst zu kommen vermag“, um dann dieses „bewusste Leben“ damit überhaupt „führen“ zu können.
Vor dem aktuellen Hintergrund beklemmender Sparzwänge und rasanten Effizienzdenkens im Bildungssektor bietet der Besuch von einem der bedeutendsten deutschen Philosophen in Oldenburg für die inner- und außeruniversitäre Öffentlichkeit die Gelegenheit des Innehaltens. In seiner Dankesrede „Kontemplation und Erkenntnis“ anlässlich der Verleihung des Hegelpreises am 26. November 2003 in Stuttgart sagte Dieter Henrich dazu folgendes: „So sehen wir, dass Hegels Projekt auch als Begründung für ein Bildungsprogramm verstanden werden kann. Die Kontemplation, die keinen Zweck in irgend etwas anderem hat, erweist sich in einem Staate als das Nützlichste überhaupt, weil [...] davon eine Erneuerung hervorgehen kann, deren Blick auf ein Ganzes geht, ohne darüber die Wirklichkeit zu verfehlen.“
Der Preisträger Martin Mulsow ist ein Spezialist für die Frühaufklärung, dessen Habilitationsschrift „Moderne aus dem Untergrund“ von dem Rezensenten Kurt Flasch 2002 in der Süddeutschen Zeitung als „das beste deutsche Buch des Jahres zur Geschichte der Ideen“ bezeichnet worden ist. Prof. Dr. Johann Kreuzer, Direktor des Oldenburger Instituts für Philosophie, wird die Laudatio für Martin Mulsow halten.